Die Tolteken, von denen wir, die AVP sprechen, können in drei Gruppen
unterteilt werden:
1. Die Alten Tolteken das historische Volk, das zwischen dem 7. und 12.
Jahrhundert in Zentralmexiko lebte und wirkte.
2. Die Überlebenden Tolteken, also noch lebende mexikanische indigene
Gruppen, die das Wissen und eben die Tradition der Tolteken bewahrt haben.
3. Die Neuen Tolteke, Menschen, indigene wie nicht-indigene, die die Tradition
und das Wissen der Tolteken praktizieren und in die moderne Welt transformieren.
Die historischen
Tolteken waren eine Volksgemeinschaft, die zwischen dem 7.und 12. Jahrhundert
im zentralen Mexiko lebte und großen kulturellen Einfluß
auf viele Völker Mexiko der Vergangenheit und der Gegenwart hat.
Sie repräsentierten die technisch und kulturell, vor allem aber
spirituell fortgeschrittenste Volksgruppe im alten Mexiko.
Die Überlebenden Tolteken ist eine allgemeine Bezeichnung mit der
heute lebende indigene Volks-gruppen, kulturelle Nachkommen der Tolteken,
gemeint sind. Wir haben eine enge Verbindung zu diesen Kulturformen,
die die Elemente der toltekischen Tradition bewahrt haben, wie z.B.
das harmonische Zusammenleben mit der Erde und der umgebenden Natur
und dem Geist. Die Volksgruppe der Wirrarika, die zurückgezogen
in der westlichen Sierra Madre lebt und die Nahuas, die in den Bergen
um Puebla zu Hause sind, stellen nur einige Beispiele dar.
Die Neuen Tolteken sind sowohl indigene wie auch nicht-indigene Menschen,
die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die so wertvolle toltekische
Tradition am Leben zu erhalten und zwar nicht nur in der indigenen Welt,
sondern auch außerhalb, in der modernen Welt des 21. Jahrhunderts.
Die neuen Tolteken folgen dem Weg der alten Tolteken, indem sie angemessene
und gezielte Techniken und Rituale entwickeln, die auf die Bedürfnisse
unserer modernen Gesellschaft ausgerichtet sind. Aus diesem Grund kann
das Toltekentum von jedem erfahren werden, der bereit ist, diese Techniken
auf eine echte und konkrete Art und Weise in die Praxis umzusetzen.
Quetzalcoatl
Quetzalecoatl war zum einen ein spiritueller Führer der Tolteken,
der zum Mythos wurde, aber er ist vor allem Symbol für ein Universales
Prinzip: Einheit in der Dualität.
Die Einheit zwischen dem Heiligen und dem Weltlichen, dem Geist und
der Materie. Das Bedeutet natürlich auch, sich unserer eigenen
zwei Seiten bewußt zu sein, der magischen und der alltäglichen,
wir das Nagual und das Tonal. Die Einheit zurückzugewinnen ist
das heimliche Versprechen, das durch die Form der gefiederten Schlange
Symbol Quetzalcoatls ausgedrückt ist. Die Schlange steht für
die Bindung an die tonale, materielle Welt, der Adler repräsentiert
das Überirdische, das Erhebende, den Geist. Aber im Gegensatz zum
aztekischen Symbol, zu finden auf der mexikanischen Flagge, auf dem
der Adler die Schlange tötet, verbindet sich der Adler mit der
Schlange im toltekischen Prinzip zu einer Einheit zwischen Geist und
Körper, bildet ein Gleichgewicht zwischen der alltäglichen
und der schamanischen Welt, dem Tonal und Nagual.
Dieses Gleichgewicht in sich selbst wieder herzustellen ist Vermächtnis
des Praktizierenden der toltekischen Tradition und kann durch schamanische
Praktiken erreicht werden.
Die
Poderios
Innerhalb der toltekischen Kosmovision gibt es 5 Hauptquellen höherer
Energie, 5 Kräfte (span. Poder = Kraft), die das Universum in Bewegung
halten und regieren: Das Feuer, die Erde, das Wasser, die Sonne und
der Wind. Der Praktizierende des Toltekentums ist sich der immensen
Kraft und des Einflusses bewußt, die von diesen Energiefeldern
ausgeht. Durch schamanische Techniken und Rituale ist es möglich,
sich mit diesen Quellen unendlicher Kraft und Weisheit zu verbinden,
sie in seinem Leben zu einer harmonischen Einheit zu verbinden und von
Ihnen Heilung, Kraft und Weisheit zu erbitten. Dies geschieht aber nur
durch die Erfüllung des Urprinzips von Geben und Nehmen, und so
bietet der Pilgerer, der Visionssuchende, der um Hilfe bittende immer
etwas sehr konkretes, persönliches von seiner Kraft an, das er
bereit ist, dem Universum zu geben, bevor er ein Poderio um etwas bittet.
Wir sind Kinder der Sonne und unsere Aufgabe, ist es ihr zu helfen zu
leuchten! sagen die Wirrarika, und eben das bietet der Praktizierende
der toltekischen Tradition an: Einen ganz konkreten Akt in die Tat umzusetzen,
der etwas positives, heilendes in der Welt bewirkt, der Licht in die
Welt bringt: Er ist bereit zu Handeln!
Ein fester Bestandteil der toltekischen Tradition ist die Verbindung
mit der enormen Kraft, die uns Nahrung, Schutz und bedingungslose Liebe
gibt: der Erde, Mutter Erde. Sich wieder als Teil der Welt zu empfinden
und von der Natur, die Mutter Erde unablässig hervorbringt zu lernen
ist ein zentrales Thema des Neuen Toltekentums. Ein anderes zentrales
Element in der toltekischen Tradition ist das Feuer, Tatewari. In der
Enstehung des Universums war am Anfang allen Seins das Feuer (der Big
Bang) und so nennen die Tolteken ihn liebevoll Großväterchen,
denn er ist das Älteste und Weiseste im Universum.
Schamanische
Techniken
Ähnlich wie das Wort Tolteke wurde der Begriff Schamane und des
Schamanismus in der Vergangenheit mit vielen neuen, modischen Auslegungen
belegt, die mit der ursprünglichen Bedeutung des Wortes nicht mehr
übereinstimmen. Diejenigen, die das Neue Toltekentum praktizieren,
gebrauchen diese Worte mit äußerster Vorsicht, um den alten
indigenen Traditionen, nicht nur den Mexikanischen, den nötigen
Respekt zu erweisen. Denn der Schamanismus hat traditionsgemäß
mit persönlichen Zielen,theoretischem Wissen aus Büchern oder
belegten Schamanenkursen nichts zu tun. In den indigenen Gemeinschaften
bedeutet das Wort Schamane oder Marakame, daß sich jemand zum
permanenten Dienst für die Gemeinschaft verpflichtet, um so die
Tradition und Rituale für ein harmonisches
Zusammenleben mit der Natur und dem Geist aufrecht zu erhalten. Man
sucht sich nicht aus Schamane zu werden, man erhält diese Berufung
durch den Spirit und kann sich dessen nicht entziehen. Dabei handelt
es sich um eine wenig glamouröse Berufung, die dann zur Folge hat,
daß man neben der täglichen Arbeit, um sich und seine Familie
zu ernähren, auch noch einen großen Teil seiner persönlichen
Energie und Zeit dafür zur Verfügung stellt, der Gemeinschaft
zu dienen. Andererseits bietet die Ausübung und Anwendung schamanischer
Techniken jedem die Möglichkeit, in andere Bewußtseinszustände
einzutreten und so Heilung und Hilfe zu erfahren, um diese im Alltag
nutzen zu können und so dem toltekischen Traum, in Harmonie und
Einklang mit unserer Umwelt zu leben, näher zu kommen. Die Ausübung
schamanischer Praktiken und das Erleben anderer Bewußtseinszustände
ist somit nicht nur den indigenen Menschen offen, sondern auch den Menschen
unserer modernen Gesellschaft zugänglich. Es ist dabei jedoch wichtig
anzuerkennen, daß die schamanischen Praktiken und Techniken an
unsere Gesellschaft und unsere Zeit angepaßt sein müssen.
Es würde nicht ausreichen, die schamanischen Techniken der indigenen
Kulturen einfach nachzuahmen, da die speziellen Rituale und Techniken
immer auf das Leben der Praktizierenden abgestimmt sind und das ist
in allen Kulturen der Fall, in denen solche schamanischen Praktiken
noch lebendig sind. Und wir sind eben keine in den kargen Hochebenen
lebenden Bauern.
Trotzdem ist die Absicht hinter diesen schamanischen Techniken immer
dieselbe: Sich mit den Kräften der Natur und des Universums zu
verbinden, um von Ihnen Heilung zu erlangen, um wieder im Einklang mit
der Natur zu leben und so wiederum zu Helfen unsere Mutter Erde zu heilen.
Dies ist das genaue Gegenteil zu unserer anthropozentristischen, egozentrierten
Kultur unserer modernen Gesellschaft.
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